Familien- und Bildungszentrum, Langquaid

In Markt Langquaid wurde ein Neubau errichtet, der auf drei Etagen eine Kindertagesstätte, eine Tagespflege für Seniorinnen und Senioren und Räumlichkeiten für die Volkshochschule vereint. Das „Familien- und Bildungszentrum“ ist fußläufig vom Zentrum zu erreichen und in unmittelbarer Nähe von Grundschule und Mittelschule gelegen. Die Arbeiterwohlfahrt Kelheim ist Eigentümerin und Betreiberin der Kita und Tagespflege, das zweite Obergeschoss für die Volkshochschule gehört dem Markt. Der Bau der VHS wurde mit 750.000 Euro (Bundesmittel) durch das Förderprogramm Investitionspakt Soziale Integration im Quartier unterstützt. Es konnten weitere Fördermittel in geringerem Umfang für die anderen Bauteile gewonnen werden. Beim Bau wurden die ökologischen Leitlinien der Kommune berücksichtigt.
Durch die unterschiedlichen angesprochenen Zielgruppen hat sich das Gebäude seit Fertigstellung im Frühling 2019 schnell als soziales Zentrum entwickelt. Die neu geschaffenen Angebote bedeuten mehr Qualität bei Betreuung, Bildung und sozialem Miteinander von Jung und Alt. Aufgrund der guten Erfahrung ist aktuell ein Anbau in der Planung, welcher wieder Kindergarten und Pflegeeinrichtung kombinieren wird.

  • Ausgangssituation

    Markt Langquaid ist ein Unterzentrum im Landkreis Kelheim, rund 30 Kilometer südlich von Regensburg. Der Markt ist Sitz einer gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft mit rund 9.400 Einwohnerinnen und Einwohnern. In Langquaid selbst wohnen rund 5.900 Bewohnerinnen und Bewohner. Seit 2012 verzeichnet Langquaid eine positive Bevölkerungsentwicklung, welche sich aus Wanderungsgewinnen sowie einem Geburtenüberschuss erklärt. Zwischen 2002 und 2018 nahm die Bevölkerung um rund 18 % zu. Etwa zwei Drittel der Neuzuziehenden zogen in sanierten oder nachverdichteten Wohnraum, ein Drittel in neu ausgewiesene Baugebiete, darunter viele junge Familien. Etwa 16,5 % der Bewohnerinnen und Bewohner sind 65 Jahre und älter, rund 6 % sind unter 6 Jahre alt (31.12.2020, Quelle: empirica regio (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Deutschland, 2018-2022, dl-de/by-2-0, https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0)).

    Seit 2004 besteht eine Gebietskulisse des Städtebauförderprogramms „Soziale Zusammenhalt“ (ehemals Soziale Stadt). Ziele der Gesamtmaßnahme sind unter anderem die Bewahrung des historischen Marktbilds, die Verknüpfung der innerörtlichen Bereiche und die Schließung von Baulücken im Zentrum. Zentrale Maßnahmen sind das Leerstandsmanagement, die Sanierung von alten Wohn- und Geschäftshäusern und die Schaffung eines „Haus der Begegnung“ am Marktplatz.

    Städtebauförderung 2004 Aufnahme in das Programm „Soziale Stadt“ (ab 2020 „Sozialer Zusammenhalt“) / Programmgebiet Ortskern (Maßnahme angrenzend, aber außerhalb)
    Lage in der Stadt Im Ortskern, fußläufig zu erreichen
    Gebietstyp nach Baualter Gemischtes Baualter
    Gebietstyp nach Nutzung Bildungseinrichtungen, Wohnnutzung

    Das Familien- und Bildungszentrum ist Teil des „Bildungsquartiers“ von Langquaid. Auf der anderen Straßenseite liegt die alte Volksschule, welche 2008 zur Krippe umgebaut wurde und seit 2013 auch zwei Kindergartengruppen beherbergt. Zwei Minuten zu Fuß nördlich liegen Grundschule und Mittelschule. Das Grundstück, auf dem das Zentrum umgesetzt wurde, war bislang unbebaut. Aufgrund der Eigentumsverhältnisse stand es lange nicht zur Verfügung und ist deshalb nicht Teil des Sanierungsgebiets. Der Standort ist fußläufig vom Marktzentrum zu erreichen.
    Der Bedarf an Kitaplätzen in Langquaid wurde in den letzten Jahren immer dringender, da sowohl mehr junge Familien im Markt wohnen und Kinder früher und häufiger betreut werden. Für Seniorinnen und Senioren gab es bis 2019 zwar ambulante Pflegedienste und betreute Wohnangebote, aber keine Tagespflege. Der Neubau soll diese Betreuungsbedarfe bei den beiden Altersgruppen decken und ein soziales Zentrum durch die Kombination der Betreuung mit den Bildungsangeboten schaffen.

  • Maßnahme

    Das Grundstück mit 1.400 m² Fläche an der Schulstraße war im Eigentum des Bauträgers B+Z Projektbau. Dieser baute die soziale Einrichtung nach Vorgaben des Marktes, welcher im Anschluss das Grundstück kaufte. Das Familien- und Bildungszentrum befindet sich in Eigentümergemeinschaft der AWO Kelheim (Betreiberin Kindertagesstätte und Seniorentagespflege) und der Kommune.
    Auf etwa 400 m² pro Etage wurden drei Einrichtungen in einem Haus untergebracht. Ein großes Treppenhaus mit Fahrstuhl verbindet sie miteinander. Im Erdgeschoss befindet sich die Kindertagesstätte „Schatzinsel“ mit Krippe (eine Gruppe mit 12 Kindern) und Kindergarten (eine Gruppe mit 25 Plätzen). Es wurde das vertraute Raumprogramm errichtet: Neben Gruppen- und Ruheräumen gibt es eine Küche, einen Mehrzweckraum, einen Elternwartebereich, einen Kinderwagenstellbereich sowie einen Büro- und Sozialraum.

    Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Tagespflege für Seniorinnen und Senioren mit 22 Plätzen. Da nicht jede Person jeden Tag kommt, werden hier zwischen 25 und 30 Personen von 10 Mitarbeitenden betreut. Die Seniorinnen und Senioren kommen aus einem weiten Einzugsbereich von bis zu 25 Kilometern. Neben Küche, Aufenthaltsbereich, Gruppen-/Therapie- und Ruheräumen sowie einem Pflegebad wurde auch ein Schwesternzimmer eingerichtet. Besonders wichtig ist die breite, Loggia-artige Terrasse, auf der viele Sitzgruppen Platz haben und von der die Gäste einen guten Überblick über das Kommen und Gehen auf der Schulstraße haben.

    Im zweiten Obergeschoss befindet sich auf rund 400 m² Fläche die vom Markt Langquaid betriebene Volkshochschule. Dieser Bauabschnitt wurde mit 750.000 Euro aus dem Investitionspakt (Bundesanteil) gefördert. Es gibt vier Seminarräume von 30 bis 80 m² Größe, welche zusätzlich miteinander verbunden werden können, Umkleideräume, eine Küche, ein Empfangs-Café und ein Büro. Das Café ist je nach Bedarf – zum Beispiel bei Kursen – geöffnet, barrierefrei erreichbar und kann für Gruppen reserviert werden. Es hat sich zu einem kleinen Anlaufpunkt in der Nachbarschaft entwickelt. Die VHS in Langquaid ist unabhängig und gehört keinem Dach- oder Landesverband an. Dadurch kann die Volkshochschule ihr Programm an die Bedürfnisse und Interessen der lokalen Bevölkerung anpassen. Die neuen Räumlichkeiten ermöglichen es der VHS, ihr Angebot auszubauen und sich professioneller aufzustellen. Das Bildungsangebot umfasst Veranstaltungen, Vorträge und Workshops sowie Kurse im gesellschaftlichen, kreativen, sprachlichen, sportlichen oder gesundheitlichen Bereich. Der Trägerverein ist ehrenamtlich organisiert. Bei der Langquaider VHS arbeiten vier 450-Euro-Kräfte sowie eine Person mit einer halben Stelle. Im Familien- und Bildungszentrum befindet sich ab jetzt der Hauptstandort mit Büro und den meisten Angeboten. Weitere Räume im Marktgebiet werden entweder angemietet oder befinden sich in Schulen und Kindergärten.
    Die Räume der VHS im Familien- und Bildungszentrum werden von der Kommune auch für andere Veranstaltungen, wie zum Beispiel den jährlichen „Babyempfang“, genutzt.

    Der Markt Langquaid formulierte 2003 ökologische Leitlinien für kommunale Baumaßnahmen, an die sich in diesem Fall auch die Kooperationspartner gehalten haben. Es wurden PVC-freie, ökologische Baustoffe und Farben verwendet. Auf dem Dach der Einrichtung wurde eine Photovoltaikanlage installiert, welche Strom für die VHS liefert und ihren Bedarf komplett deckt.
    Grundstückskauf und Bau kosteten rund 3 Millionen Euro. Die Gesamtkosten der Volkshochschule (Bau und Ausstattung) beliefen sich auf 1.424.000 Euro. Durch den Investitionspakt (Bundes- und Landesanteil) wurden davon 900.000 Euro übernommen. Für den Kindergarten konnten ebenfalls Fördermittel gewonnen werden und aus „Soziale Stadt“ gab es einen Zuschuss von 84.000 Euro für die Gestaltung der Außenanlagen. Der Bau der Tagespflege wurde komplett durch die Arbeiterwohlfahrt finanziert.
    Die Hausverwaltung inklusive Hausmeisterdiensten obliegt der Arbeiterwohlfahrt. Mit dem Markt wurde eine vertragliche Regelung für die anfallenden Kosten geschlossen. Die AWO ist gebunden, Tagespflege und Kindergarten für 25 Jahre zu betreiben.

    Investitionspakt Soziale Integration im Quartier

    Ortskerne Gerstungen / Untersuhl;
    Wilhelmstraße 53 – Rathauspark MehrgenerationenAktiv-Park

    Programmjahr 2017
    Durchführungszeitraum November 2017 bis Mai 2019
    Kosten und Finanzierung Gesamtkosten rund 3 Millionen Euro.
    Kosten VHS 1,42 Millionen Euro. Davon Bundesmittel Investitionspakt 750.000 Euro.
    Projektträger AWO Kelheim und Markt Langquaid
    Ansprechperson Sandra von Hösslin (Geschäftsführerin AWO)
    Bürgermeister Herbert Blascheck

    Nachdem ein halbes Jahr nach Eröffnung der Einrichtungen die COVID-19-Pandemie der Zusammenarbeit einen Riegel vorschob, wird das Zusammenleben langsamer wieder lockerer. Die Kindergartenkinder besuchen die Seniorinnen und Senioren, die Volkshochschule stimmt Angebote speziell auf die Kita und Tagespflege ab. Es wird zum Beispiel ein Kinotag für die Kinder angeboten oder Gesundheitskurse für die Seniorinnen und Senioren. Die Beliebtheit der Volkshochschule hat sich deutlich erhöht: der Einzugsbereich und die Besucherzahlen haben sich erhöht. Auch die Tagespflege wurde in kürzester Zeit gut angenommen.
    Das Familien- und Bildungszentrum hat sich seit der Fertigstellung zu einem richtigen Zentrum und damit zu dem entwickelt, was sich Bürgermeister und Verwaltung gewünscht haben: ein wichtiger Baustein im Sozialgefüge des Markts.

  • Umsetzung und Ausblick

    Auslöser der Konzeption war der Mangel an Kindergartenplätzen in Langquaid. Von einer Erweiterung der vorhandenen Kitas wurde abgesehen, um die Freigelände nicht zu reduzieren. Partner im Konzeptionsprozess war der Grundstückseigentümer (B+Z Projektbau), die AWO und der Markt Langquaid. Nachdem der Bauträger den Wunsch äußerte, dreistöckig zu bauen, brachte die AWO den Wunsch einer Tagespflegeeinrichtung ein, die Kommune die Volkshochschule. Durch die Volkshochschule wird die soziale Einrichtung um den Aspekt der Bildung erweitert. Andere Kindergärten der Kommune und die Leitung der Volkshochschule wurden in die Konzeption eingebunden. Die Idee eines Familien- und Bildungszentrums ist im IHK von 2017 verankert. Die vorbereitenden Gespräche begannen im November 2016. Nach Beschlüssen im Marktrat im Mai 2017 erfolgte der Spatenstich im November 2017. Im April 2019 konnten die drei Einrichtungen eröffnet werden.
    Obwohl die Größe der Einrichtung, besonders der Kita, an den damals vorliegenden Prognosen festgemacht wurde, hat sich der Bedarf seitdem wieder erhöht. Besonders die Kinderzahlen sind gestiegen. Aus diesem Grund und aufgrund des Erfolgs der Einrichtung ist ein gleich großer Anbau auf dem angrenzenden Grundstück geplant. Im Erdgeschoss sollen hier wieder Kindergarten und Krippe unterkommen, im ersten Obergeschoss Pflegeappartements mit Übergang zur Tagespflege und im zweiten Obergeschoss betreutes Wohnen. Diese Wohnungen sind barrierefrei und die Bewohnerinnen und Bewohner können hauswirtschaftliche und Pflegedienste in unterschiedlichen Grad in Anspruch nehmen. Auf dem Anbau wird ein Dachgarten für die Volkshochschule umgesetzt, welcher vom gesamten Zentrum genutzt werden kann. Der Anbau wird sich komplett im Eigentum der Arbeiterwohlfahrt befinden. Die Baugenehmigung liegt vor. Das soziale Quartier „Bildung und Betreuung“ soll auch bei der nächsten Änderung in den Bebauungsplan aufgenommen werden. In Zukunft können bei Bedarf weitere Bausteine ergänzt werden.

  • Weiterführende Informationen/ Links

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