Skateanlage "SK8NAU" in Leipzig-Grünau

Die alte, öffentliche Freiluft-Skateanlage in Leipzig-Grünau wies erhebliche Schäden auf. Die regelmäßigen Reparaturen und Wartungen der Anlage waren für die Stadt sehr kostenintensiv, sodass der Skatepark ohne grundlegende Restrukturierung hätte geschlossen werden müssen. Die Skateanlage liegt neben der überörtlich bekannten, von einem gemeinnützigen Verein betriebenen Skatehalle HEIZHAUS, deren Träger vor Ort auch freie Jugendarbeit anbietet. 

Im Rahmen des Projekts SK8NAU wurde am Standort ein innovativer Skatepark mit einer breiten Nutzungsvielfalt und neuen Qualitäten geschaffen, der für alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen zugänglich ist. Der Fokus liegt dabei auf Kindern und Jugendlichen sowie Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Ergebnisse eines umfangreichen Beteiligungsprozesses mit Rollsportlerinnen und -sportlern stellten die Grundlage für die nun entstandene Skateanlage dar, welche mit Skateboard, Inlinern, Scootern, Einrad, Rollstuhl uvm. genutzt werden kann. Es wurden neue Skateelemente entworfen, Chill-/Aufenthaltsbereiche integriert und niedrigschwellige Bewegungsangebote wie Streetball, Tischtennis und Sportgeräte für funktionales Körpertraining realisiert. Ziel war es, eine Fläche mit einem niedrigschwelligen, jugendkulturellen, generationsübergreifenden (die Gründerinnen und Gründer der Leipziger Szene sind inzwischen über 50 Jahre alt) und bewegungsorientierten Konzept auszubauen. Die Skateanlage ist mit rund 2.000 m² befestigter Fläche der größte Skatepark in Leipzig und Umgebung und damit nicht nur eine wichtige Anlaufstelle im Quartier, sondern auch von regionaler und überregionaler Bedeutung.

Im Juli 2022 wurde der Skatepark als einer der Preisträger des Sächsischen Staatspreises für Baukultur 2022 ausgezeichnet.  Mehr Information hier.

  • Ausgangssituation

    Die Skateanlage befindet sich in Leipzig im westlichen Stadtteil Grünau (Stadtbezirk West). Grünau ist im INSEK Leipzig 2030 als fachübergreifendes Schwerpunktgebiet der integrierten Stadtentwicklung ausgewiesen. Im Quartier leben im Vergleich zur Gesamtstadt überdurchschnittlich viele Menschen in schwieriger sozialer Lage, so zum Beispiel überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche, die auf Grundsicherung angewiesen sind (vgl. STEK Leipzig-Grünau, S. 7).

    Die Großwohnsiedlung ist 2005 als Fördergebiet in das damalige Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen worden. Die Skateanlage liegt in Grünau-Ost und damit in einem Bereich, in dem seit 2015 Geflüchtetenfamilien und Zugewanderte einen neuen Wohnort gefunden haben. Die Skateanlage wurde auch von diesen Gruppen als wichtiger Treffpunkt angenommen. In der direkten Umgebung der Skateanlage befinden sich verschiedene soziale Einrichtungen, wie Schulen (Montessori, Freie Schule, Förderschule Rosenweg) mit dazugehörigen Sporthallen oder Horte, das Theatrium (Kinder- und Jugendtheaterhaus) und der CaritasLADEN. 

    Städtebauförderung 2005 Aufnahme in das Programm „Soziale Stadt“ (ab 2020 „Sozialer Zusammenhalt“) / Programmgebiet Grünau
    Lage in der Stadt westlicher Stadtrand
    Gebietstyp nach Baualter Großwohnsiedlung der 1970er und 1980er Jahre
    Gebietstyp nach Nutzung direkt angrenzend Schulen, dahinter Wohngebiet

    Die Anfänge der Skateanlage reichen bis 1996 zurück. Gemeinsam fanden die Akteure aus der Skater- und BMX-Szene und Stadt Leipzig damals einen aus ihrer Sicht optimalen Standort für die Nutzung – abgelegen von Wohnbebauung und nahe der S-Bahn Grünau. Die Elemente der ersten Anlage wurden in Eigenarbeit von den Skaterinnen und Skatern in Holzbauweise errichtet. Nach einigen Jahren waren die Elemente witterungsbedingt marode. Da sich der Skatepark inzwischen großer Beliebtheit erfreute, wurde die Fläche 2004/2005 gemeinsam mit der Stadt und weiteren Akteuren neu geplant und asphaltiert. 

    Auch aus heutiger Sicht ist der Standort, insbesondere in Bezug auf die Lärmimmissionen, ein idealer Standort für die Nutzung als Outdoor-Skateanlage. Auch im Gesamtkontext nimmt der Standort aufgrund der Reduktion bestehender Möglichkeiten für Rollsport auf öffentlichen Spielplätzen im Kontext der Lärmproblematik an Bedeutung zu. 
    Die Skateanlage befindet sich neben dem gut etablierten und über den Stadtteil hinaus bekannten Skate- und Jugendzentrum HEIZHAUS, eine durch den Verein urban souls e.V. umgebaute und betriebene Skatehalle mit diversen Freizeit-Angeboten. Durch die Kombination der Aktivitäten von SK8NAU mit dem HEIZHAUS ergibt sich die Chance, Menschen mit unterschiedlicher Herkunft miteinander in den Dialog zu bringen und somit einen Beitrag zur Integration neuer Bevölkerungsgruppen zu leisten.

    Vor der hier vorgestellten Sanierung entsprach die Skateanlage nicht mehr den Anforderungen der heutigen Skateszene und wies erhebliche bauliche Mängel auf. So bekam die bestehende Asphaltschicht auf der Skateanlage aufgrund der Witterung immer wieder gefährliche Risse, die regelmäßig teuer geflickt werden mussten. Eine Sanierung war technisch nicht möglich. Die geschilderten Mängel und der stetige Sanierungsaufwand machten eine Neuplanung mit einer nachhaltigen Modernisierung der Anlage an dem beliebten Standort erforderlich.

  • Maßnahme

    Ziel des Projekts SK8NAU ist es, die Fläche mit einem niedrigschwelligen, jugendkulturellen, generationsübergreifenden und bewegungsorientierten Konzept auszubauen. Die verschiedenen Skateelemente, die Parkanlage, Aufenthaltsbereiche und niedrigschwelligen Bewegungsangebote sollen einen Ort schaffen, der von allen genutzt werden kann. 

    Die Maßnahme – die Aufwertung der Skateanlage – lässt sich aus diversen städtischen Gesamtstrategien ableiten, wie zum Beispiel des INSEK Leipzig 2030 (Fachkonzepte „Sport“ sowie „Freiraum und Umwelt“), dem Sportprogramm 2024 oder dem STEK Leipzig-Grünau 2030. 

    Die Lage der Skateanlage wurde im Wesentlichen beibehalten. Im Rahmen der Neustrukturierung wurde die Anlage von rund 1.600 m² auf 2.000 m² vergrößert. Neben der Erneuerung der Skateanlage werden auch Aufenthalts-, Fitness- und Bewegungsbereiche geschaffen.

    Die Wegeverbindungen wurden optimiert und barrierefrei gestaltet und Aufenthaltsbereiche und Sportangebote integriert. Zur westlich gelegenen denkmalgeschützten Parkallee (Gartendenkmal) wird ein geeigneter Abstand beibehalten. Die Skateflächen wurden zum Großteil aus hochwertigem feinem Beton an Ort und Stelle gegossen und geformt. Im Gegensatz zu Asphalt, der bisher die Oberfläche darstellte, ist Beton glatter, haltbarer und weniger anfällig für Extremwitterungen. Im Eingangsbereich zum HEIZHAUS wurde neben einem Wartebereich mit Fahrradständern und Bänken ein Streetball-Feld eingerichtet. Am nördlichen Rand wurde eine Calisthenics-Anlage mit Reck und Kletterstangen realisiert sowie zwei Tischtennisplatten installiert. Im „Bowl“-Bereich zentral gelegen und zur Nachmittagssonne ausgerichtet wurde ein „Chillhill“ realisiert, der als eine Tribüne für das Beobachten des Geschehens dient. Als großes Parkmöbel ermöglicht die Skulptur viele Nutzungen (u. a. Sitzen, Liegen, Tanzen, Lesen, Umfahren). Bestehende Baumgruppen wurden, wenn möglich, erhalten und in die Planung integriert, neue schattenspende Vegetation wurde ergänzt. Es wurde außerdem eine benutzergesteuerte Beleuchtung in die Anlage integriert. Dadurch ist es im Herbst und Frühjahr möglich, die Flächen bis zur Nachtruhe zu nutzen. 
    Besonderes Augenmerk legten die Landschaftsarchitekten unter anderem auf Nachhaltigkeit. So wurden der Schotterunterbau der Hügelschüttungen und der bisherige Asphaltbelag als Unterbau wiederverwendet.

    Eine Entwässerung der befestigten Fläche ist durch Abflüsse in den Bowls und in anderen Elementen in zwei Versickerungsgruppen sichergestellt. Aufgrund des hohen Versiegelungsgrades hätte die Versickerung über die Vegetationsflächen nicht ausgereicht. 

    Investitionspakt Soziale Integration im Quartier SK8NAU
    Programmjahr 2019
    Durchführungszeitraum 2019 - 2021
    Kosten und Finanzierung Gesamtkosten: etwa 1,6 Mio. €
    Bundesmittel: 1,2 Mio €
    Projektträger Stadt Leipzig
    Eigenmittel durch Amt für Sport Leipzig,
    Projektleitung Amt für Stadtgrün und Gewässer,
    Antragstellung Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung
    Ansprechperson Josephine Reuther, Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung, Abteilung Stadtteilentwicklung/Stadterneuerung (64.3)
  • Umsetzung

    Zur Gewährleistung der Sicherheit mussten seit 2014 immer wieder Stellen an der Oberfläche, insbesondere an den Übergängen der Asphaltflächen, erneuert werden. Diese Instandhaltung des in die Jahre gekommenen Skateparks wurde zuletzt sehr teuer. Eine Neuplanung mit einer nachhaltigen Modernisierung am gleichen, beliebten Standort war erforderlich. 

    Um die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer bestmöglich in die Gestaltung der Anlage miteinzubeziehen, wurde im Herbst 2018 ein Partizipationsprozess mit insgesamt vier Workshops und rund 30 Teilnehmenden aus der Rollsportszene durchgeführt. Der erste Entwurf verschaffte den Beteiligten einen Eindruck der möglichen Elemente und Dimensionen, daneben gab er auch Einblick ins Budget, das Verhältnis zum Landschaftspark, die Größenordnung sowie genehmigungsrechtliche Parameter. In weiteren Schritten wurden die Ideen der Beteiligten festgehalten, Flächenbedarfe ermittelt und Szenarien ermittelt. Auch die Stadt, Planerinnen und Planer sowie das HEIZHAUS beteiligten sich an der Arbeit in den Kleingruppen. Das Ergebnis waren Entwürfe mit sehr vielen Gemeinsamkeiten, die sich lediglich hinsichtlich der unterschiedlichen Fahrstile unterschieden. Aufbauend auf den Ergebnissen des Beteiligungsprozesses wurde ein Konzept für die neue Skateanlage entwickelt. Sie vereint eine Bowl-Arena (vergleichbar mit Skaten im leeren Swimmingpool), einen Street-Bereich (viele Elemente für Tricks) und stellt den Flow sicher (Befahren des ganzen Areals ohne Absteigen). Die Anlage kann so mit verschiedenen Sportgeräten genutzt werden.

    Die beteiligten Akteure der Stadt Leipzig (Amt für Stadtgrün und Gewässer, Amt für Sport und das Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung), der Betreiber des HEIZHAUS (Urban Souls e.V.), die Planer (gruen fuer stadt + leben gmbh) und die ‚Arbeitsgruppe Architekten Ingenieure‘ werteten gemeinsam die Ergebnisse aus. Es wurde ein auf den Workshops basierender Plan entwickelt, welcher weitere Alters- und Nutzergruppen einbezieht und Orte für Kommunikation und Aufenthalt herstellt. 

    Der Antrag für den Investitionspakt wurde Ende Dezember 2018 eingereicht. Von einer Finanzierung der gesamten Baumaßnahme über Soziale-Stadt-Mittel wurde Abstand genommen, da so nur 450.000 € zur Verfügung gestanden hätten. Durch die Investitionspakt-Förderung konnte die Anlage in Beton gestaltet werden, welcher langlebiger, leiser, allerdings auch teurer als der bisher verwendete Asphalt ist. 

    Die Maßnahme wurde im Programmjahr in den Investitionspakt 2019 aufgenommen. Nach dem Bau- und Finanzierungsbeschluss in der Ratsversammlung im Januar 2020 wurde mit den Ausschreibungen begonnen. Für die Betonarbeiten wurde eine beschränkte Ausschreibung durchgeführt, da darauf geachtet werden konnte, dass die sich bewerbenden Firmen Erfahrungen und Erfolge mit dem Bau von Rollsport- und Skateanlagen haben. Der Bau begann mit dem Abriss im August 2020 und wurde im späten Herbst 2021 abgeschlossen. Die Eröffnung fand am 6. Dezember 2021 statt. 
    Während des Planungs- und Bauprozesses bestand eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Amt für Stadtgrün und Gewässer, dem Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung (Abteilung Stadtteilentwicklung/Stadterneuerung) sowie dem Amt für Sport der Stadt Leipzig.

  • Weiterführende Informationen/ Links

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